Zottels Zeug
  zuletzt bearbeitet: Wed, 18 Feb 2015 15:42:58 +0100  
Als um Weihnachten herum die Werbespots für das Tealounge-System im Fernsehen liefen, war ich hin- und hergerissen: „Yaaay! Endlich mal eine Teemaschine, nicht nur Gadgets für Kaffeetrinker! Will ich haben, will ich haben!“ – „Uh, aber ich trinke doch normalerweise nur offenen Tee aus dem Teeladen. Kann dieser Industrietee überhaupt schmecken? Will ich wirklich so viel Abfall produzieren? Und extrem teuer sind die Kapseln auch …“
Der Gadgeteer in mir hat schließlich gewonnen; seit Ende Dezember haben wir so ein Gerät zu Hause. Hier meine Erfahrungen.

Teekanne oder Nestlé?


Das war erst einmal die Grundfrage. Es gibt ja schon seit längerer Zeit (ohne, dass ich vorher etwas davon mitbekommen hätte) die Special.T-Maschine von Nestlé – ebenfalls eine Tee-Kapselmaschine.
Ich versuchte, über beide Systeme im Internet etwas herauszufinden. Zur Special.T habe ich relativ wenig gefunden, darunter viele eher negative Kommentare. Zum Tealounge-System dagegen gab es relativ viel zu lesen, und fast nur Positives – was sicher auch daran liegt, dass Teekanne das schlau eingefädelt hat, indem sie diversen Bloggern und „Heimtestern“ kostenlos Maschinen zur Verfügung gestellt haben.
Da die Ergebnisse insgesamt aber wenig aussagekräftig waren, haben dann eher andere Punkte den Ausschlag gegeben:
Wenn ich schon viel Abfall produziere, muss es ja nicht auch noch das sehr energieintensive Aluminium sein. Die Special.T-Kapseln gibt es überhaupt nicht im Handel, nicht einmal in Nespresso-Läden, während Tealounge-Kapseln immerhin bei Media Markt, Saturn, expert, EP, Medimax und Euronics zu haben sind. (Ich hoffe immer noch, dass das noch auf Supermärkte im allgemeinen ausgedehnt wird.) Internet-Shops bieten natürlich beide Unternehmen, aber es ist doch angenehmer, wenn man auch vor Ort Einkaufsmöglichkeiten hat.
Und schließlich ist mir der Nestlé-Konzern an sich sehr unsympathisch. Dann doch lieber Teekanne.

Packungsinhalt und Maschine


Im Vergleich zu mancher Kaffekapselmaschine ist die Tealounge-Maschine relativ schmal, lässt sich also auch in einer vollgestellten Küche noch ganz gut unterbringen. Es gibt sie in verschiedenen Farben; wir haben „Brilliant Silver“ gewählt.
Der Wassertank fasst einen Liter Wasser, mit Wasserfilter weniger.
An der Oberseite befindet sich der große Hebel, mit dem die Kapselkammer geöffnet und verschlossen wird, und der Ein-/Aus-Knopf.
An der Vorderseite finden sich neben dem Hahn, aus dem der Tee kommt, die Knöpfe für Heißwasser/Reinigung, schwarzen Tee, grünen Tee, Kräuter-/Früchtetee und Chai-Kapseln. Je nachdem, welche Taste man drückt, werden passende Ziehzeiten und Wassertemperaturen für die jeweilige Teesorte genutzt, und im Falle von Chai (wo zwei Kapseln pro Taste zum Einsatz kommen) wird nur die halbe Wassermenge ausgespuckt – das dürfte dem Kaffeeprogramm normaler Maschinen aus dem K-fee-System entsprechen, so dass man theoretisch auch Kaffee mit der Maschine machen könnte. Wahrscheinlich wird aber kein Teeliebhaber seine Maschine derart entweihen, und es führt auch zum Garantieverlust: Laut den Garantiebestimmungen dürfen nur Kapseln aus dem K-fee-System, die Tee oder Milch enthalten, genutzt werden.
Die Wassermenge pro Tasse ist konfigurierbar. Da das aber nur die Menge Wasser beeinflusst, die nach dem Ziehen noch zusätzlich durch die Kapsel fließt, ist damit auch eine Änderung der Teestärke verbunden. Letztlich handelt es sich ja um eine Art Samowar-System: Beim Ziehen wird sehr starker Tee erzeugt, der dann durch nachfließendes Wasser wieder verdünnt wird.
Die Kapseln haben jeweils die Farbe derjenigen Taste, die man zur Zubereitung drücken muss, so dass man eigentlich nicht viel falsch machen kann.
Wenn man den Hebel der Maschine nach der Zubereitung wieder anhebt, fällt die Kapsel in einen Behälter im Inneren der Maschine, der zu Leerung und Säuberung nach vorne herausgezogen werden kann.
Die abnehmbaren Teile sind Spülmaschinenfest, allerdings soll nur das Eco-Programm der Spülmaschine (45 °C/50 °C) benutzt werden.
Dabei sind auch noch ein Wasserfilter und zwei Reinigungskapseln. Die Maschine kann auch ohne den Wasserfilter benutzt werden. Das ist für Teezubereitung allgemein natürlich weniger empfehlenswert, aber wenn man ohnehin schon einen Wasserfilter zu Hause hat, kann man sich die relativ teuren Filter des Systems sparen.
Außerdem liegt eine Auswahl verschiedener Tees bei. Warum Teekanne allerdings ausgerechnet diese Auswahl getroffen hat, ist mir schleierhaft – dazu gleich mehr.

Die Tees und ihre Qualität


Um es gleich vorauszuschicken: Die Tees sind größtenteils sehr gut. Nichts wirklich Besonderes, ein „Wow!“ werden sie einem Teekenner nicht entlocken. Aber der Standard ist auf jeden Fall auch für regelmäßige Teetrinker mehr als ausreichend.
Ich würde mir wünschen, dass in Zukunft besondere Teesorten hinzukommen, wie etwa ein sehr herber Darjeeling oder ein kräftiger Grüntee.
Mit immerhin 24 Teesorten ist durchaus Auswahl da. Das sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass für Liebhaber klassischer Tees, also Schwarz- und Grüntees ohne Aromatisierung, von den 24 gerade noch sechs übrigbleiben.
Klar – Teekanne muss alle Geschmäcker halbwegs abdecken, insofern ist das nicht verwunderlich. Aber „24 Tees!!!“ klingt auf den ersten Blick mehr als es wirklich ist.
An den klassischen Tees setzt auch meine Kritik am Starterset an – sie sind nämlich kaum vertreten. Aus den zehn enthaltenen Sorten sind es genau zwei: Finest Darjeeling für die Schwarztees (nach meinem Geschmack bei weitem nicht der beste Schwarztee im Sortiment) und Pure Sencha für die Grüntees. Drei, wenn man Earl Grey zu den Klassikern zählen möchte. Der Rest sind aromatisierte Tees, Kräuter- und Früchtetees.
Geschmackliche Highlights im Sortiment sind für mich vor allem Morning Sunrise, Dark Assam, Legend 1882 (alles Schwarztees) und der aromatisierte Früchtetee Orange Splash. Alle vier sind, für mich völlig unverständlich, im Starterset nicht enthalten.
Als gut, aber nicht sehr gut empfinde ich The Earl of Grey, Pure Sencha, Finest Oolong, und Sencha Flower (aromatisiert). Die Grüntees dürften für meinen Geschmack alle etwas kräftiger sein.
Meine Frau trinkt gern Sencha Flower, Pai Mu Tan Peach (aromatisierte Grüntees), Blueberry Muffin (aromatisierter Schwarztee), The Earl of Grey und Rooibos Vanilla Cookie (aromatisierter Rooibos-Tee).
Grundsätzlich ok waren für uns beide auch Sweet Apple (aromatisierter Früchtetee), Mint Experience (Pfefferminztee), Camomille Garden (Kamillentee) und Fennel Anise Duo (Fenchel/Anis) – mit dem Gefühl, dass man bei solchen Tees ja eigentlich fast nichts falsch machen kann (finden zumindest wir als seltene Trinker von Kräutertees) und der Preis dann schon arg happig ist.
Wenig begeisternd erschien uns Wild Berry (aromatisierter Früchtetee); die beiliegenden Chai Latte Capetown Style und Ginger Sprizz (aromatisierter Ingwer/Zitronentee) mochten wir überhaupt nicht.
Die Sorten Fresh Lemon (aromatisierter Schwarztee), Golden Green (aromatisierter Grüntee), Mountain Harmony (Kräutertee) und die anderen Chais haben wir (z.T. noch) nicht probiert.
Neuerdings gibt es auch Teekapseln von einem Fremdhersteller – Aldi bietet sie für sein K-fee-System Expressi an. Preislich sind sie sehr interessant, da sie nur die Hälfte der Teekanne-Kapseln kosten. Geschmacklich haben wir sie – bis auf den Früchtetee – leider als unterirdisch empfunden, so dass das keine Option sein wird.
Erhältlich sind die Kapseln in diversen Elektronikmärkten sowie im Internet unter https://www.tealoungesystem.com/ . Als ich zuletzt geschaut habe, war die Auswahl bei Saturn in Fürth und Mediamarkt in Nürnberg-Kleinreuth sehr dürftig, nur wenige Sorten vorhanden, und nicht die guten. Bei TeVi (expert) gleich um die Ecke des genannten Mediamarktes ist dagegen oft sogar das gesamte Sortiment vorrätig – ein Geheimtipp auch insofern, als kurioserweise ausgerechnet dieser Markt nicht online bei Teekanne gelistet ist.

Erfahrungen


Ich war ja zunächst schon skeptisch, ob sich der Kauf lohnen wird, ob die Maschine nicht letztlich, ähnlich wie unsere Tassimo, hauptsächlich in der Ecke stehen wird.
Das hat sich zum Glück nicht so entwickelt. Tatsächlich trinken wir beide jetzt viel mehr Tee als jemals zuvor. Das liegt vor allem daran, dass man sich jederzeit einfach und schnell eine Tasse Tee machen kann.
Früher habe ich Tee vor allem am Wochenende und im Urlaub getrunken, meine Frau trank manchmal mit, manchmal auch nicht. Für eine einzelne Tasse war es mir zu aufwendig, für mehrere Tassen hatte ich sonst nicht die Muße.
Jetzt trinken wir beide 2-4 Tassen täglich, und das mit großem Genuss. Die „kleine Auszeit zwischendurch“.
Das ist sehr angenehm, und ich möchte meine Tealounge-Maschine nicht mehr missen.
Aber natürlich ist nicht alles perfekt.

Nachteile und Unpraktisches


Als allererstes sind hier natürlich Preis und Müll zu nennen.
Eine Packung mit acht Kapseln kostet € 2,79. Eine Tasse Tee aus der Tealounge-Maschine liegt somit bei knapp 35 ct, mit Zubehör (Reinigungskapseln, Wasserfilter, Entkalker etc.) vielleicht knapp 40 ct. Das ist wirklich sehr üppig. Letztlich kommt man auf einen 100g-Preis von etwa 18-25 Euro – da muss man im Teeladen schon sehr exquisite Ware kaufen, um auf ähnliche Werte zu kommen.
Grundsätzlich ist es auch möglich, die Kapseln aufzuschneiden und selbst mit Tee zu bestücken – Plastikfolie oben aufschneiden (abziehen geht nicht), alten Tee raus, neuen Tee rein, Alufolie drüberspannen, fertig – ich habs ausprobiert. Das soll kein Tipp sein; ich kann mir durchaus vorstellen, dass das mit dem Druck mal nicht so gut funktioniert wie die Maschine das erwartet, und ob man danach noch auf Garantie hoffen kann, ist fraglich. In der Praxis mache ich das aber eh nicht, denn der Vorteil des Geräts ist ja gerade die schnelle Zubereitung mal eben nebenbei.
Und der Müll – ja. Wie bei allen Kapselmaschinen, eben. Da frage ich mich schon manchmal, ob das wirklich sein muss. Ob nicht das allein Grund genug wäre, wieder auf manuelle Teebereitung umzusteigen. Ein schlechtes Gewissen ist auf jeden Fall immer dabei. Es wäre sehr schön, wenn hier verrottbare Kunststoffe eingesetzt werden könnten, so dass man die ganze Kapsel in die Biotonne werfen könnte. Die Frage ist natürlich, ob es die in der nötigen Aromadichtheit, Lebensmittelechtheit und Temperaturresistenz überhaupt gibt.
Ein gewisses Ärgernis ist außerdem, dass die Maschine nicht mitbekommt, wenn zu wenig oder sogar gar kein Wasser mehr im Tank ist. Dann fängt sie an, komische Geräusche zu machen und bricht die Zubereitung ab – je nachdem, wie viel Tee bis dahin schon in die Tasse geflossen ist, kann man den und die Kapsel dann oft wegwerfen. Das müsste eigentlich nicht sein.
Der Tank selbst ist außerdem etwas klein geraten. Mit Wasserfilter reicht er gerade einmal für drei Tassen. Man hat also viele Chancen, das Auffüllen zu vergessen …

Fazit


Für Leute, die lieber Tee als Kaffee trinken und gerne den gleichen Komfort hätten wie die Kaffeekollegen mit ihren Automaten ist die Tealounge-Maschine sicher eine gute Anschaffung. Der Geschmack der Tees ist gut, die Auswahl ausreichend, und eine schnelle Tasse Tee am Abend ist einfach etwas schönes.
Wie bei allen Kapselmaschinen ist natürlich der Preis des Tees exorbitant hoch, und der entstehende Abfall wäre durchaus ein guter Grund, lieber auf das System zu verzichten.
Insgesamt bin ich aber sehr glücklich mit dem Gerät und kann es jedem Teetrinker empfehlen – solange die Ansprüche an die Teequalität nicht extrem hoch liegen.

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