Zottels Zeug
  zuletzt bearbeitet: Sat, 05 Nov 2016 03:38:14 +0100  
Das frage ich mich immer wieder: Was muss ein Elektroauto eigentlich können, damit es für den täglichen Einsatz sinnvoll ist?
Zunächst einmal muss es natürlich die notwendigen Reichweiten bieten, das ist sicher der wichtigste Punkt. Und hier stoßen wir schon auf das größte Problem zumindest der bisherigen Generation: Realistische Reichweiten von 100-150 km, im Winter zum Teil gar nur 70-80 km, sind einfach nicht genug.
Klar: Die meisten der am Tag zurückgelegten Strecken von heutigen Verbrennern bleiben weit unter diesem Wert. Aber man muss sich auch die realen Möglichkeiten von Autobesitzern ansehen, speziell die Lademöglichkeiten – und dann wird das Szenario ganz schnell sehr unrealistisch.

Wer kann ein Elektroauto fahren?
Es macht wenig Sinn, ein Elektroauto zu besitzen, wenn man nicht die Möglichkeit hat, es über Nacht aufzuladen. Wer kann das? Hausbesitzer und einige wenige Wohnungsmieter, die das Glück haben, an ihrem Tiefgaragenstellplatz über eine Steckdose zu verfügen.
Folglich gibt es auf dem Land sehr viel mehr Menschen, die überhaupt in der Lage wären, sich ein Elektroauto anzuschaffen, als in Städten.
Gleichzeitig werden Elektroautos, vor allem kleine, aber gerne als „Stadtflitzer“ angepriesen und mit Reichweiten ausgestattet, die auch nur in der Stadt wirklich sinnvoll sind. Denn: Die völlig unrealistischen Reichweitenangaben nach NEFZ muss man fast durch zwei teilen, wenn man wissen will, wie weit so ein Auto bei kräftigem Frost mit aktivierter Heizung noch kommt.
Ein Auto mit weniger als hundert Kilometern Winterreichweite für einen Landbewohner, der oft täglich 60-100 km zurücklegt, macht aber keinen Sinn, zumal ja die Reichweite mit der Batteriealterung weiter abnimmt. Und: Elektroautos zeigen zwar in der Stadt Top-Verbräuche, büßen aber bei höheren Geschwindigkeiten, vor allem auf der Autobahn, nochmals Reichweite ein.

Was muss ein Elektroauto können?
Die bislang angebotenen Fahrzeuge haben also nicht ohne Grund keine weite Verbreitung gefunden:
Städter, für die die gebotenen Reichweiten ausreichen würden, haben selten Lademöglichkeiten. Für die meisten Landbewohner sind die Reichweiten nicht groß genug. Und dann ist da noch der Preis.
Anders gesagt: Das meist angepriesene Eldorado des Elektroautos, die Stadt, ist nur in geringem Maße ein Markt, solange die Politik nicht dafür sorgt, dass es an jedem Parkplatz eine Steckdose gibt.
Bleibt das Land.
Hier kann man sagen: Ein konkurrenzfähiges Elektroauto
  • muss im Winter mit Heizung bei >= 90 km/h mindestens 100 km, besser 150 km realistische Reichweite aufweisen, also mindestens 200-300 km nach NEFZ.
  • darf nach staatlicher Förderung höchstens 25% mehr kosten als ein vergleichbarer Verbrenner, sonst wird es nicht angenommen.
  • ist (abgesehen vom Luxussegment) nur als Zweitwagen geeignet und sollte deshalb preislich auch in entsprechenden Bereichen zu finden sein.

Die Realität
… wird besser. Langsam gelangen wir in Regionen, wo diese Forderungen Wirklichkeit werden.
So sind Pegeout iOn und Citroen C-Zero nach staatlicher Förderung mittlerweile für € 14.000,– zu haben – immer noch nicht billig für dieses relativ spartanische Fahrzeug, aber immerhin auch preislich halbwegs im Kleinwagenbereich angekommen. Gebraucht für unter € 8.000,– zu haben. Das ist ok, aber das Auto erfüllt nicht ganz die oben geforderten Reichweiten.
Die Zoe von Renault wird bald mit 40-kWh-Akku zu haben sein (und endlich auch mit Kaufbatterie!) und erfüllt selbst in ihrer jetzigen Version die Reichweiten-Anforderungen – allerdings zu Preisen, die der Autogröße nicht gerecht werden.
Vom kommenden Opel Ampera-e sind immer noch keine Preise bekannt. Die Spekulationen gehen mittlerweile von etwa € 37.000,– bis € 42.000,– aus. Für ein Auto dieser Größe definitiv zu viel, aber der Akku ist wirklich riesig – vielleicht ist das dann trotzdem ein Kaufargument.
Seit letztem Jahr schon spielt der Kia Soul EV mit einem recht guten Preis-/Leistungsverhältnis in der Liga der sinnvolleren Elektroautos mit.
Ein besonders interessanter Vertreter ist für mich aber der Hyundai Ioniq in seiner Elektrovariante: Ein Mittelklassewagen mit Top-Ausstattung, bei gutem Angebot selbst in der Premium-Variante für gut € 30.000,– nach staatlicher Förderung zu haben. Extrem gute Verbrauchswerte, realistische Reichweite > 200 km, im Winter um 150 km, 8 Jahre Garantie auf die Batterie. Das macht Sinn, das ist ein wirklich tolles Auto – nicht zuletzt deshalb, weil er wohl zu den effizientesten Elektroautos auf dem Markt gehören wird, sofern sich die Herstellerangaben und Gerüchte bewahrheiten: So wenig Stromverbrauch bietet sonst nur der um ein bis zwei Klassen kleinere e-Up.

Fazit
Es ist nicht verwunderlich, dass die bislang angebotenen Elektroautos wenig Zuspruch fanden: Sie waren einfach wenig geeignet für die Zielgruppe, die solche Autos überhaupt nutzen kann, oder viel zu teuer.
Zumindest auf der Angebotsseite tut sich jetzt etwas. Ich bin gespannt auf die Nachfrage.
Klaus
  
Ich erinnere mich noch immer fassungslos daran als ich im Frühjahr das mit dem Up realisiert habe. Nicht, dass er als Familienkarre geeignet gewesen wäre, aber der Aufpreis war schon ernüchternd. Mit Verbrennungsantrieb gibt es den für unter €10 000, als e-Up ist man bei knapp unter €30 000. Dann habe ich den Sion gesehen für €12 000, allerdings noch ohne Batterien und fand diesen sehr interessant und bin gespannt wie der sich weiter entwickelt.

Die Veränderungen an der Infrastruktur werden bestimmt auch noch sehr spannend, aber darüber wurde bisher sehr wenig berichtet finde ich. Tankstellen werden wohl nur noch ein paar als "Service"-Stationen übrig bleiben. Wenn ich diese Schnellladeverfahren sehe werden wohl Restaurants, Supermärkte, Einkaufszentren die Versorgung eher übernehmen können. Hätte auch den Vorteil, dass Strom aus Photovoltaik direkt verarbeitet werden könnte und nicht für die Nacht gespeichert werden muss wenn man die Autos zu Hause auflädt. Ob aber überall dafür überhaupt die Leitungskapazitäten ausreichend sind wird bestimmt auch noch spannend.
zottel
  
Ich hab mich jetzt auch endlich dazu entschlossen, Sono Motors/Sion zu supporten. Bin sehr gespannt auf die Probefahrt. :-) Bevor die stattgefunden hat, wird bei uns sowieso kein Geld für ein neues Auto da sein. Sie haben ja den ursprünglichen Zeitrahmen schon verschoben (Probefahrt jetzt wohl eher frühestens Mitte 2017 statt Anfang 2017), und ich bin immer noch skeptisch, ob das was werden kann. Aber anscheinend haben sie viel Interesse von Zulieferern bekommen, die haben sich also selbst bei Sono Motors gemeldet, was schon viel besser ist als ich erwartet hätte. :-)

Zum e-Up: Ganz so schlimm ist es nicht, aber trotzdem sehr schauerlich. Den e-Up gibt es ja gar nicht in Minimalausstattung; wenn man ähnlich ausgestattete Fahrzeuge vergleicht, liegt der Benziner, wenn ich mich recht erinnere, bei etwa € 12.000,– Listenpreis, die E-Variante bei € 26.900,–, minus Förderung, macht € 22.900,–.

Das ist aber zum einen immer noch fast das Doppelte, also weiterhin indiskutabel, zum anderen wird man auf den Benziner deutlich mehr Rabatt auf den Listenpreis bekommen. Weil die Händler da mehr Spielraum haben, und weil der geförderte Preis ja bereits einen Hersteller-Rabatt von € 2.000,– beinhaltet.

Richtig gut ist bei VW eigentlich nur die Effizienz – beide VWs brauchen wirklich wenig Strom. Das haben sie richtig gut gemacht. Den Preis sind die Autos aber trotzdem nicht wert.

Bei Hyundai sieht es da zumindest ein bisschen netter aus. Ich vergleiche mal die Style-Varianten miteinander, weil da die IMHO zwingend notwendige Ausstattungsmerkmale Wärmepumpe und Sitz-/Lenkradheizung drin sind. Da haben wir beim Hybrid € 27.250,– (reinen Benziner gibts gar nicht), beim Elektro € 35.500,–. Das sind schon ohne Förderung „nur“ 31% mehr. Mit Förderung sind wir dann 16% Aufpreis oder € 4.125,– absolut für das Elektroauto, und das ist dann m.E. in Ordnung.

Oder, um einen ganz fairen Vergleich zu haben, also unrabattiert gegen unrabattiert nach Förderung, da wären das € 27.250,– gegen € 33.500,–, macht 23% Aufpreis.

Und dann gibts da noch einen engagierten Händler in Landsberg am Lech (Daten gern auf Anfrage), der verkauft den Ioniq Elektro Style inkl. Überführung für € 28.500,– (nach Förderung). Ausgegangen von € 700,– Überführungskosten sind das € 5.700,– oder 16% Rabatt! Bei Elektroautos wirklich selten.

Klar gibts beim Hybrid auch noch Nachlässe, aber so wird einem die Elektro-Entscheidung wirklich leicht gemacht. :-) Schade, dass solche Autohändler, die gern und aus Überzeugung Elektroautos verkaufen, sich gut damit auskennen und den Verkauf durch gute Rabatte fördern, sehr, sehr rar gesät sind. Tatsächlich ist das überhaupt der erste, von dem ich gehört habe. Noch ein Grund für einen Hyundai.